Donnerstag, 19. Januar 2017

Ricky Jovan Gray hingerichtet

Die USA sind so ziemlich das fortschrittlichste Land, was bestimmte Freiheitsrechte des Individuums betrifft. Auf anderer Ebene, nämlich der Justiz, hinken sie den Standards aller westlichen Länder weit hinterher. In den USA wird noch bestraft um des Bestrafens willen. Nach dem alt-testamentarischen Motto "Auge um Auge, Zahn um Zahn" - wenn es sich um einzelne Bürger handelt. Bei Armee-Angehörigen sieht die Sache dann wieder anders aus. 
Ricky Jovan Gray wurde wegen mehrerer Morde, die er mit einem Komplizen 2005 und 2006 beging, in Virginia zum Tode verurteilt. In jedem anderen westlichen Land wären ihm mildernde Umstände sicher gewesen: R.J.G. wurde als Kind körperlich schwer mißhandelt und sexuell mißbraucht. Schon mit ca. 12 Jahren nahm er harte Drogen. Auch während seiner Taten soll er auf PCP gewesen sein.
Drogen- und sexueller Mißbrauch sind keine Ausreden für Verbrechen - aber eine Gesellschaft, die vorgibt, nach christlichen Werten ausgerichtet zu sein, muß die Umstände berücksichtigen, die dazu führen, daß bestimmte Verbrechen begangen werden.
Ricky Jovan Gray wurde letzte Nacht mit der Giftspritze hingerichtet. 
R.I.P., Ricky Jovan Gray!                                                                                           *RS*
 

Mittwoch, 18. Januar 2017

Björn Höcke - Intelligenter Dummkopf

                                  Foto: Wikipedia
Bei einer Rede in Dresden bezeichnet der AfD-Chef von Thüringen das Berliner Holocaust-Mahnmal als "Denkmal der Schande". Obwohl er das Wort "Juden" nicht ausspricht, auch nicht den "Holocaust", ist seine Äußerung antisemitisch. Geradezu lächerlich wirkt er, wenn er behauptet, in den Schulen werden die Schüler nicht mit der deutschen Geschichte in Berührung gebracht. Bei dieser Rede (Ausschnitte auf BILD-online) gibt es donnernden Zwischenapplaus - eingeladen waren vor allem Mitglieder der Jungen Alternative. ** Höcke ist ein intelligenter Mann - und gleichzeitig dumm. Er läßt sich, verblendet vom eigenen Erfolg, dazu hinreißen, bei ultrarechten Antisemiten Stimmen zu sammeln. Das mag, parteistrategisch gedacht, schlau sein - er erweist damit seiner Partei aber einen Bärendienst. Mit solchen Worten weist er Deutschland keine Alternative auf, sondern führt seine Anhänger ins Abseits.
                                               *RS*  

Mittwoch, 11. Januar 2017

Erinnerungen aus Preussisch Holland

                       
Im "alten Preußen", heute Nord-Polen, gab es von 1818 bis 1945 eine Stadt und den gleichnamigen Kreis "Preußisch Holland". Von dort habe ich ein Album mit handschriftlichen Eintragungen von Familienangehörigen, Freundinnen und Bekannten der damaligen Besitzerin Wilhelmine Boelcke. Die insgesamt 76 Widmungen wurden zwischen 1829 und 1845 eingetragen. * Ein für mich sehr spannendes Unterfangen, mich mit so altem Stoff zu befassen. Ich wünsche mir, daß sich auf die Zuschauerinnen meines Videos etwas von der Faszination überträgt, die ich selber verspüre.
                                                                                                                                                       *RS*

Montag, 9. Januar 2017

Inklusion in Hamburg - Scooterverbot in HVV-Bussen

Mehrere Monate war eine Einschränkung der Beförderung von Scootern (Fortbewegungsmittel für Behinderte, elektrisch betrieben) im Gespräch. Ab dem 1. 1. sollten nur noch Scooter mit einer Länge von höchstens 1,20 m und einer Breite bis zu 65 cm zugelassen werden. Zwischen Weihnachten und Neujahr  wurde nun aber beschlossen, daß mit Jahresbeginn KEINE Scooter mehr in HVV-Bussen zugelassen sind. Dies bedeutet zweifellos eine starke Einschränkung der Bewegungsfreiheit von Behinderten, die auf einen Scooter angewiesen sind und nicht Elektro-Rollstühle fahren, die in der Regel wesentlich teurer sind. ** Die Empörung bei einigen Betroffenen ist groß. Verständlicherweise. Nun geht aber kein Sturm der Entrüstung durch die Stadt an der Elbe. Nicht mal ein laues Lüftchen. Hamburg ist damit beschäftigt, sich selbst und die Einweihung der Elbphilharmonie zu feiern, dieses hunderte- Millionen-Grab, über das sich, aufgrund der Preissteigerungen (von ca. 80 Millionen auf ca. 750 Millionen €uro) zeitweilig Bürger und Medien echauffierten - inzwischen ist Ruhe eingekehrt. Wer jetzt noch was zu meckern hat, ist ein notorischer Querulant oder "politisch unzuverlässig" oder, schlimmer noch, "rechts". SO funktioniert Politik in Hamburg. Es werden krasse Fehler gemacht, selbstverständlich auf Kosten der Bürger. Spürbare Konsequenzen braucht niemand zu befürchten - wenn er politisch auf der richtigen Seite steht... * * * Für mich ist Arbeit mit Behinderten Alltag und ich habe mit der Thematik seit vielen Jahren zu tun. Mir fällt auf, daß in Hamburg viele Initiativen existieren, die sich mit der Situation und den Problemen behinderter Menschen unterschiedlichster Art befassen. Untereinander bestehen kaum Kontakte. Fast alle Verantwortlichen sind damit befasst, mehr Geld, immer mehr Geld, für ihre Vereine und Einrichtungen zu organisieren. Besonders unangenehm fiel mir dies bei der aaw (Alsterdorf Assistenz West) auf. "Politisch"? Ist man einfach "korrekt", plappert gebetsmühlenartig die Sprüche nach, die von der "hohen Politik" und anderen Geldgebern (zB Kirchen) vorgegeben werden, schließlich will man/Frau noch mehr Geld bekommen - ansonsten verhält man/Frau sich möglichst unauffällig. Bloß nicht anecken! Solidarität mit anderen Außenseitern, Unterprivilegierten? Pustekuchen. Jeder ist sich selbst der Nächste! ** Es gibt nicht nur eine m.E. mangelnde Kooperation von Behinderten-Vereinen und -Einrichtungen untereinander in Hamburg. Noch schlechter sieht es aus, wenn man die völlig fehlende Kooperation bedenkt zwischen Behinderten-Organisationen und Vereinen, die sich etwa um Strafgefangene kümmern, oder um Obdachlose. Es gibt viel Elend in dieser reichen Stadt. Übrigens auch bei Künstlern, die teilweise völlig mittellos Projekte durchführen, an denen andere Menschen partizipieren. *** Die Hamburger offizielle Politik, deren Verantwortliche nicht nur in den Parteien CDU, SPD und den Grünen stecken, sondern überproportional auch in der evangelischen Kirche zu finden sind, profitiert davon, daß die Opposition uneins und völlig zersplittert ist. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Hamburg geht es um sein Image als Weltstadt und Touristen-Hochburg. Da spielt die Siatuation von Scooter-Fahrern, Obdachlosen, Strafgefangenen, unbekannten Künstlern und anderen Außenseitern bestenfalls eine Nebenrolle. Mit wem kein Geld zu verdienen ist und wer keine Lobby hat, der existiert für die Politik garnicht. 
                                                                                                            *RS*

Dienstag, 27. Dezember 2016

Feiertagswünsche aus Tschechien

Seit Jahrzehnten verabscheue ich die Statements von Politikern zu Feiertagen, aber diesmal gibt es eine Stellungnahme, die mich beeindruckt. Der tschechische Präsident Milos Zeman wünscht, laut Deutschlandfunk, den Menschen in seinem Land "ein gefährliches Leben voller Risiken und Kämpfe". Zwar wünsche er den Menschen "auch Siege und Erfolge", aber "wer keine Kämpfe ausfechte, könne sie auch nicht gewinnen und erfolgreich sein".  

Bravo, Herr Zeman! Ich schließe mich Ihnen an.                                                                 *RS* 

Sonntag, 25. Dezember 2016

George "Beau" Brummell

2014 erschien ein Büchlein des französischen Schriftstellers Michel  Onfray mit dem Titel "LEBEN UND TOD eines Dandys". Teil 1 (Seite 11-47) ist eine gnadenlose Aburteilung jenes Mannes, der wie kein anderer der Inbegriff eines Mode-Menschen wurde. Onfrau schreibt: "GEORGE BRYAN BRUMMELL sei der König der Dandys gewesen, heißt es. Doch er war auch und vor allem egoistisch, aggressiv, ironisch, zynisch, unhöflich, verlogen, betrügerisch, beleidigend, arrogant, süffisant, angeberisch und - natürlich - selbstgefällig, nur auf der Welt, um anderen schlechten Geschmack, fehlende Eleganz, Blasiertheit und mangelnde Bildung vorzuwerfen". Hier zieht ein Mann systematisch wie ein Schachspieler und furios wie ein Moralprediger gegen einen anderen zu Felde, der zwar längst tot ist (G.B.B. lebte von 1780 bis 1842), aber doch immer noch Wirkung hat - in den Augen Onfrays offenbar zu positives Ansehen genießt. "Wie konnte ein derart verabscheu-ungswürdiger Mensch zum Inbegriff des Dandysmus werden, einer Ethik der Eleganz, des Adels, des guten Geschmacks und der Individualität?" fragt Onfray. Die Frage ist rhetorisch zu verstehen - der französische Schriftsteller, von dem ich vor Jahren etliche spannend geschriebene Bücher las, alle zu philosophischen Themen, weiß die Antwort und teilt sie mir, dem Leser, in seiner furiosen, bisweilen brillanten General-Kritik mit. Ein Erzähler als Oberlehrer. Der Ton und die Einseitigkeit des Anklägers erstaunen mich - seine Bücher zu philosophischen Themen waren zwar auch kritisch und redeten "Klartext", hatten aber eine eher inspirierende Wirkung auf mich. ** Zum Glück hat das  Büchlein noch einen zweiten Teil, in dem der Autor den, den er zuvor erbarmungslos in die Pfanne
 
haute,  vom Herd nimmt bzw. das Feuer ausmacht, um scheinbar auf die Ebene eines "Sachbuchs" zu wechseln, Überschrift: "KONSTRUKTION eines Mythos". Mitverantwortlich für die heute herausragende Stellung Beau Brummels macht Onfray einen französischen Schrifsteller des 19. Jahrhunderts. Ich zitiere aus S. 51: "BRUMMELS HEILIGSPRECHUNG erfolgte durch einen römisch-katholischen, apostolischen, royalistischen und legitimistischen Normannen namens Jules Barbey d'Aurevilly. In Vom Dandytum und von G. Brummell behauptet er, seinen Protagonisten als alten Mann in Caen getroffen zu haben". Onfray bezweifelt, daß d'Aurevilly Brummell tatsächlich traf - und wenn, dann ohne mit ihm ins Gespräch gekommen zu sein oder ihn gar näher kennen gelernt zu haben. Aber: Er wandelte sich selber zum Dandy und orientierte sich dabei, so Onfray, mehr und mehr an Brummell, identifizierte sich teilweise mit der Kunstfigur. So ähnlich mag es gewesen sein... -  aber als Zeitgenosse (1808-1889) war d'Aurevilly natürlich "näher dran" als Onfray, (* 1959) der 119 Jahre nach dem Tod Brimmells geboren wurde. Hier läßt sich allerdings ein Argument einbringen, das schwer zu widerlegen ist, nämlich: Daß gerade zeitliche Distanz erlaubt, Phänomene und auch Menschen etwas klarer, d.h. mit einem gewissen Hauch an "Objektivität", also ohne auf eigene Projektionen hereinzufallen, zu sehen. ** Auch wenn ich M.O. nicht ganz folgen mag: Das Thema DANDYTUM lohnt eine nähere Beschäftigung. Die meisten von uns kennen den wohl populärsten lebenden Dandy aus Modeschauen, TV und unzähligen Magazinen. Er steuerte zu dem Büchlein die Zeichnung auf dem Cover bei (entstanden nach einem zeitgenössischen Porträt). ** Meine erste "Begegnung" mit dem Dandy liegt mehr als 50 Jahre zurück. Damals feierte die englische Beat-Band The Kinks Charts-Erfolge mit dem von Lead-Sänger Ray Davies komponierten u. getexteten Song "Dandy". Der Song wurde übrigens erfolgreich gecovert u.a. von "Herman's Hermits" und, vielleicht noch interessanter für Leser meines Blogs, von den Rockiung Vickers, der ersten Band von Lemmy Kilmister, dem später weltberühmten Frontmann von Motörhead. I like the KINKS. Und Beau Brummell sehe ich AUCH unter dem Begriff des Lebenskünstlers. Jaja, ich weiß, B.B. starb völlig verarmt und geistesgestört in Frankreich. Aber: Auf seine Art war er ein Lebenskünstler.  Wohl hat Onfray auch in gewisser Weise recht mit seinem Buch. Auch wenn er nicht meine Sympathien genießt. ...        
                                                                                                     *RS*
      

Dienstag, 20. Dezember 2016

Compact Januar 2017

Die neue COMPACT, Untertitel "Magazin für Souveränität", startet mit einer Angela Merkel mit Hitlerbärtchen auf dem Cover ins neue Jahr. Ziemlich früh (heute ist der 21. Dezember). Das Besondere an dieser Zeitschrift: sie ist radikal, polarisiert und hat Argumente. Das macht sie gefährlich für die uns beherrschende Klasse und für die Political Correctness in der BRD. Political Correctness ist die am weitesten verbreitete "Waffe" der uns beherrschenden Klasse, d.h. des Estab-blishments, der CDU-Grünen-SPD und der mit ihnen verbündeten und von ihnen bezahlten Medien. Uns wird vorgeschrieben, wie wir zu denken, zu fühlen uns uns zu verhalten haben. COMPACT macht u.a. deutlich, wie künstlich das Gebilde BRD ist und mit welchen Mitteln unsere Meinungen und Haltungen manipuliert und konstruiert werden. ** Als Künstler werde ich nicht immer fündig in dieser Zeitschrift, ich bin in permanentem inneren Dialog mit den verschiedenen Epochen und Etappen der Kunst-Geschichte und der entfaltung unserer schöpferischen Möglichkeiten. Zu diesen themen finde ich nicht sehr viel in COMPACT. --- ABER ich bin den Machern dankbar, daß sie "heiße Eisen" anfassen, daß sie bestimmte Dinge beim Namen nennen, in unbequemster Weise, und, ganz wichtig, daß sie sich nicht einschüchtern lassen. Um seinen Weg gehen zu können braucht der Mensch Argumente. Und die haben die Macher und Macherinnen des Heftes. Und sie sind beherzt.
                                                                                                                                                     *RS*